Montag, 30. März 2009

Mal wieder ein Abschied

Und wieder musste ich mich nach einigen gemeinsamen Wochen von Markus verabschieden. Es war zwar wieder sehr schwer, aber trotzdem leichter als vorher. Grund 1: Ich habe gleich am nächsten Tag meinen neuen Job als Barista in einem familiengeführten Coffee Shop in Downtown begonnen: Zu meinen Tätigkeiten gehört nun Kaffee machen, Kaffee verkaufen und Kaffee trinken. „Leider“ dürfen wir auch was von den leckeren Muffins, Cookies und Sandwiches essen. Also heißt es ab sofort Sport machen. Auf jeden Fall hat mir der Job in den ersten Tagen nach der Abreise von Markus genug Ablenkung gegeben. Grund 2, weshalb der Abschied nicht ganz so schwer war: Ich habe endlich meinen Flug umgebucht (nachdem ich 70 Min. (!) bei American Airlines an der Strippe hing und zwei Mal zum Flughafen gefahren bin). "Sorry, I have to ask her, please hold on!" ("Tut mir Leid, ich muss sie fragen, bitte bleiben Sie dran!") Ich weiß bis jetzt nicht, mit welcher mysteriösen Frau der AA-Typ die ganze Zeit Rücksprache halten musste. Alles nicht so einfach hier. Aber: Ich werde am 27. Juni nach fast neun Monaten wieder deutschen Boden unter den Füßen haben. Ich freue mich schon sehr, aber ich werde die letzten drei Monate hier noch voll ausnutzen und genießen!

Three, two, one, go - Welcome to “Space Needle City“

Eigentlich wollten wir ja nach Whistler (gehört zu den bekanntesten Skigebieten Kanadas) fahren. Leider war das Wetter sehr schlecht (wir haben dem Wetter mehr als eine Woche die Chance gegeben, sich zu bessern – leider ohne Erfolg), und da meine Skifahrkünste – wie ihr ja wisst – mehr als dürftig sind, haben wir uns stattdessen für einen Trip nach Seattle entschieden. Bei meinem Glück und Talent hätte ich bei Schnee und Regen sicher die Piste verfehlt und könnte diesen Eintrag hier jetzt nicht schreiben. ;-)

Eigentlich ist Seattle nur 220 km von Vancouver entfernt, aber die U.S.-Grenze ist ein wirklicher Zeitfresser. Wir mussten über eine Stunde dort warten, dann wurde unser Auto fotografiert (ernsthaft), und als Nicht-Amerikaner oder -Kanadier ohne gültiges Visum wird man noch extra zum Fingerabdrücke nehmen ins Office gebeten.

Wir haben also ca. dreieinhalb Stunden mit unserem Mietwagen gebraucht. Aber es war echt toll, nach mehr als fünf Monaten wieder Auto zu fahren und man beachte, wir sind heil hin- und zurückgekommen. Ich kann es also noch. ;-) Unser erster Stopp war natürlich der Space Needle (eigentlich müsste es ja
die Space Needle heißen, aber ich finde, das klingt albern, also belasse ich es mal bei der) und ich muss sagen: Ich bin etwas verliebt.


Es ist schon witzig, wie sich dieser Turm, der wirklich wie ein Ufo aussieht, trotzdem super in das Stadtbild einfügt und dieses sehr charakteristisch macht. Er ist übrigens wie viele andere Bauwerke in der Welt auch das Relikt einer Weltausstellung – nämlich der
Century 21 Exposition 1962. Nach gefühlten 10.000 Fotos und ca. 2 Stunden auf der Weltraumnadel sind wir dann mit der Monorail von Seattle Center nach Downtown Seattle gefahren.


Die Monorail ist auch ein Überbleibsel der Expo, hat sich aber scheinbar im Gegensatz zur SkyTrain in Vancouver nie als echtes Transportmittel für den Stadtverkehr durchgesetzt. Es gibt nur eine Strecke von ca. einer Meile und sie dient mehr als eine Touristen-Attraktion denn als echtes Nahverkehrsmittel. Von Downtown Seattle sind wir dann zum Public Market gelaufen und anschließend an der Waterfront entlang.

Ich kann nur sagen, dass die Stadt etwas sehr Malerisches hat. Viele kleine Gassen, Stege und Steinhäuser. Daher ist es für mich auch nicht verwunderlich, dass sie mehrfach zur lebenswertesten Stadt der USA gewählt wurde.



Was wir leider zeitlich nicht mehr geschafft haben ist eine Führung durch den Seattle Underground. Teile Seattles sind nämlich nach einem großen Brand auf einem höheren Level wieder aufgebaut worden. Der Grund war, dass Seattle durch seine Lage am Wasser oft überschwemmt wurde. Also bot sich der nötige Wiederaufbau an, um dieses Problem zu lösen. Teile der ursprünglichen Stadt sind im Untergrund also nach wie vor vorhanden. Zum Schluss sind wir dann noch zum Kerry Park gefahren. Von hier aus werden die typischen Fotos der Skyline gemacht.


Und ich muss sagen, dass es das dritte Mal in meinem Leben war, dass ich nicht fassen konnte, was ich sehe. Das erste Mal war es New York als Ganzes, das zweite Mal war es die Golden Gate Bridge und diesmal war es der Anblick der Skyline von Seattle bei Dämmerung…Einfach ein Traum!

Besuch in der englischsten Stadt Nordamerikas

Vor zwei Wochen sind wir dann für einen Tag in die Hauptstadt der Provinz British Columbia – nach Victoria – gefahren.

Victoria liegt auf Vancouver Island, einer 450 km langen und 100 km breiten Insel vor der Westküste Kanadas in direkter Nachbarschaft zu Vancouver. Die Insel ragt geografisch schon in das Gebiet der USA hinein. Da hier ja alles etwas länger dauert, haben wir inklusive Fährüberfahrt und Bustransfer satte fünf Stunden pro Strecke gebraucht. Aber es hat sich absolut gelohnt. Die Stadt ist wunderschön und mutet sehr englisch an.

Daher kommt es auch, dass ihr lange Zeit nachgesagt wurde, sie sei die englischste Stadt Nordamerikas (das sagt zumindest mein „lonely planet“-Reiseführer). Als erstes haben wir eine Führung durch die Parlamentsgebäude gemacht, man will ja schließlich wissen, wo hier in B.C. die Politik gemacht wir. Leider hatten die Abgeordneten gerade „Ferien“. Normalerweise hat die Öffentlichkeit nämlich Zugang zu den Sitzungen. Es wäre sicher interessant gewesen, dort mal zuzuschauen.

Anschließend sind wir zum Craigdarroch Castle (siehe unten) gefahren, wie der Name schon sagt: Es handelt sich um ein Schloss. Es war wirklich sehr schön anzuschauen, aber leider nur klitzeklein, mehr eine Villa als ein Schloss.

Uns ist außerdem bewusst geworden, dass – wenn man aus Europa kommt – einen Schösser in Nordamerika nicht wirklich vom Hocker hauen, weil sie: Erstens kaum vorhanden sind. Zweitens scheinbar sehr klein sind. Und drittens alles andere als alt sind. Dieses Schloss wurde z.B. im 19. Jahrhundert gebaut. Kein Vergleich zu dem Alter europäischer Schlösser, aber wie soll es auch anders sein auf so einem jungen Kontinent. Als wir uns schließlich noch den Beacon Hill Park mit der Markierung der „Meile 0“ des Highway 1 und die Statue von Terry Fox, einem Nationalheld in Kanada, anschauen wollten, hat uns das Wetter dann mit einem Hagelschauer einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Und da meine „Rubberboots“, auf die ich bis zu dem Tag so stolz war, leider mehr oder weniger das Zeitliche gesegnet haben, endete der Tag bei Starbucks zum aufwärmen und umziehen. Terry Fox (für alle, die es interessiert, oder die nichts mit dem Namen anzufangen wissen) war ein junger Mann aus der Region um Vancouver, der sehr früh ein Bein durch eine Krebserkrankung verloren hat. 1981 – als Einundzwanzigjähriger – hat er dann versucht, Kanada mit täglich 42 Kilometern von Ost nach West zu durchlaufen, um Geld für Krebskranke zu sammeln. Seinen Marathon of Hope konnte er leider nie zu Ende bringen. Aber er ist hier zum wahren Superhelden geworden, daher stehen in vielen kanadischen Städten Statuen von ihm.

Hot Spings – ja nee, denkste…

Anfang März haben Markus und ich uns nach fast zweieinhalb Monaten endlich wieder gesehen. Und diesmal habe ich mir mehr Urlaub nehmen können und musste in den fast drei Wochen nur drei Tage arbeiten. An unserem ersten gemeinsamen Wochenende haben wir einen kleinen Roadtrip mit Barbara und Felix aus Berlin gemacht. Das bot sich förmlich an, da die Beiden sich gerade ein Auto zugelegt hatten. Ziel: Der Ort „Hot Springs“ (Heiße Quellen) ca. zwei Autostunden östlich von Metro Vancouver. Die Jungs haben sich bei Walmart dann noch extra Badeshorts zugelegt, weil man bei dem Namen ja eigentlich davon ausgehen kann, dort wahrscheinlich baden zu können. Der Ausflug hat sich aber (zumindest bezüglich unseres Reiseziels) als totaler Flop herausgestellt. Unsere tolle „Hot Spring“ hat sich als eine kleine, nach Schwefel richende „Pfütze“ entpuppt, die zudem noch sehr unschön eingezäunt war. Letztendlich kann man also sagen, dass wir für ein Burger-Essen bei A&W 200 km hin- und 200 km wieder zurückgefahren sind.

Trotzdem hatten wir an dem Tag jede Menge Spaß und Barbara und Felix wussten endlich, dass ihr Auto auch längere Strecken übersteht. Und bei den Spritpreisen hier kann man auch gerne mal 400 km für einen Burger fahren. ;-)