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Eigentlich wollten wir ja nach Whistler (gehört zu den bekanntesten Skigebieten Kanadas) fahren. Leider war das Wetter sehr schlecht (wir haben dem Wetter mehr als eine Woche die Chance gegeben, sich zu bessern – leider ohne Erfolg), und da meine Skifahrkünste – wie ihr ja wisst – mehr als dürftig sind, haben wir uns stattdessen für einen Trip nach Seattle entschieden. Bei meinem Glück und Talent hätte ich bei Schnee und Regen sicher die Piste verfehlt und könnte diesen Eintrag hier jetzt nicht schreiben. ;-)Eigentlich ist Seattle nur 220 km von Vancouver entfernt, aber die U.S.-Grenze ist ein wirklicher Zeitfresser. Wir mussten über eine Stunde dort warten, dann wurde unser Auto fotografiert (ernsthaft), und als Nicht-Amerikaner oder -Kanadier ohne gültiges Visum wird man noch extra zum Fingerabdrücke nehmen ins Office gebeten.

Wir haben also ca. dreieinhalb Stunden mit unserem Mietwagen gebraucht. Aber es war echt toll, nach mehr als fünf Monaten wieder Auto zu fahren und man beachte, wir sind heil hin- und zurückgekommen. Ich kann es also noch. ;-) Unser erster Stopp war natürlich der Space Needle (eigentlich müsste es ja die Space Needle heißen, aber ich finde, das klingt albern, also belasse ich es mal bei der) und ich muss sagen: Ich bin etwas verliebt.


Es ist schon witzig, wie sich dieser Turm, der wirklich wie ein Ufo aussieht, trotzdem super in das Stadtbild einfügt und dieses sehr charakteristisch macht. Er ist übrigens wie viele andere Bauwerke in der Welt auch das Relikt einer Weltausstellung – nämlich der Century 21 Exposition 1962. Nach gefühlten 10.000 Fotos und ca. 2 Stunden auf der Weltraumnadel sind wir dann mit der Monorail von Seattle Center nach Downtown Seattle gefahren.


Die Monorail ist auch ein Überbleibsel der Expo, hat sich aber scheinbar im Gegensatz zur SkyTrain in Vancouver nie als echtes Transportmittel für den Stadtverkehr durchgesetzt. Es gibt nur eine Strecke von ca. einer Meile und sie dient mehr als eine Touristen-Attraktion denn als echtes Nahverkehrsmittel. Von Downtown Seattle sind wir dann zum Public Market gelaufen und anschließend an der Waterfront entlang.

Ich kann nur sagen, dass die Stadt etwas sehr Malerisches hat. Viele kleine Gassen, Stege und Steinhäuser. Daher ist es für mich auch nicht verwunderlich, dass sie mehrfach zur lebenswertesten Stadt der USA gewählt wurde.



Was wir leider zeitlich nicht mehr geschafft haben ist eine Führung durch den Seattle Underground. Teile Seattles sind nämlich nach einem großen Brand auf einem höheren Level wieder aufgebaut worden. Der Grund war, dass Seattle durch seine Lage am Wasser oft überschwemmt wurde. Also bot sich der nötige Wiederaufbau an, um dieses Problem zu lösen. Teile der ursprünglichen Stadt sind im Untergrund also nach wie vor vorhanden. Zum Schluss sind wir dann noch zum Kerry Park gefahren. Von hier aus werden die typischen Fotos der Skyline gemacht.


Und ich muss sagen, dass es das dritte Mal in meinem Leben war, dass ich nicht fassen konnte, was ich sehe. Das erste Mal war es New York als Ganzes, das zweite Mal war es die Golden Gate Bridge und diesmal war es der Anblick der Skyline von Seattle bei Dämmerung…Einfach ein Traum!
Vor zwei Wochen sind wir dann für einen Tag in die Hauptstadt der Provinz British Columbia – nach Victoria – gefahren.

Victoria liegt auf Vancouver Island, einer 450 km langen und 100 km breiten Insel vor der Westküste Kanadas in direkter Nachbarschaft zu Vancouver. Die Insel ragt geografisch schon in das Gebiet der USA hinein. Da hier ja alles etwas länger dauert, haben wir inklusive Fährüberfahrt und Bustransfer satte fünf Stunden pro Strecke gebraucht. Aber es hat sich absolut gelohnt. Die Stadt ist wunderschön und mutet sehr englisch an.

Daher kommt es auch, dass ihr lange Zeit nachgesagt wurde, sie sei die englischste Stadt Nordamerikas (das sagt zumindest mein „lonely planet“-Reiseführer). Als erstes haben wir eine Führung durch die Parlamentsgebäude gemacht, man will ja schließlich wissen, wo hier in B.C. die Politik gemacht wir. Leider hatten die Abgeordneten gerade „Ferien“. Normalerweise hat die Öffentlichkeit nämlich Zugang zu den Sitzungen. Es wäre sicher interessant gewesen, dort mal zuzuschauen.

Anschließend sind wir zum Craigdarroch Castle (siehe unten) gefahren, wie der Name schon sagt: Es handelt sich um ein Schloss. Es war wirklich sehr schön anzuschauen, aber leider nur klitzeklein, mehr eine Villa als ein Schloss.

Uns ist außerdem bewusst geworden, dass – wenn man aus Europa kommt – einen Schösser in Nordamerika nicht wirklich vom Hocker hauen, weil sie: Erstens kaum vorhanden sind. Zweitens scheinbar sehr klein sind. Und drittens alles andere als alt sind. Dieses Schloss wurde z.B. im 19. Jahrhundert gebaut. Kein Vergleich zu dem Alter europäischer Schlösser, aber wie soll es auch anders sein auf so einem jungen Kontinent. Als wir uns schließlich noch den Beacon Hill Park mit der Markierung der „Meile 0“ des Highway 1 und die Statue von Terry Fox, einem Nationalheld in Kanada, anschauen wollten, hat uns das Wetter dann mit einem Hagelschauer einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Und da meine „Rubberboots“, auf die ich bis zu dem Tag so stolz war, leider mehr oder weniger das Zeitliche gesegnet haben, endete der Tag bei Starbucks zum aufwärmen und umziehen. Terry Fox (für alle, die es interessiert, oder die nichts mit dem Namen anzufangen wissen) war ein junger Mann aus der Region um Vancouver, der sehr früh ein Bein durch eine Krebserkrankung verloren hat. 1981 – als Einundzwanzigjähriger – hat er dann versucht, Kanada mit täglich 42 Kilometern von Ost nach West zu durchlaufen, um Geld für Krebskranke zu sammeln. Seinen Marathon of Hope konnte er leider nie zu Ende bringen. Aber er ist hier zum wahren Superhelden geworden, daher stehen in vielen kanadischen Städten Statuen von ihm.
Anfang März haben Markus und ich uns nach fast zweieinhalb Monaten endlich wieder gesehen. Und diesmal habe ich mir mehr Urlaub nehmen können und musste in den fast drei Wochen nur drei Tage arbeiten. An unserem ersten gemeinsamen Wochenende haben wir einen kleinen Roadtrip mit Barbara und Felix aus Berlin gemacht. Das bot sich förmlich an, da die Beiden sich gerade ein Auto zugelegt hatten. Ziel: Der Ort „Hot Springs“ (Heiße Quellen) ca. zwei Autostunden östlich von Metro Vancouver. Die Jungs haben sich bei Walmart dann noch extra Badeshorts zugelegt, weil man bei dem Namen ja eigentlich davon ausgehen kann, dort wahrscheinlich baden zu können. Der Ausflug hat sich aber (zumindest bezüglich unseres Reiseziels) als totaler Flop herausgestellt. Unsere tolle „Hot Spring“ hat sich als eine kleine, nach Schwefel richende „Pfütze“ entpuppt, die zudem noch sehr unschön eingezäunt war. Letztendlich kann man also sagen, dass wir für ein Burger-Essen bei A&W 200 km hin- und 200 km wieder zurückgefahren sind.

Trotzdem hatten wir an dem Tag jede Menge Spaß und Barbara und Felix wussten endlich, dass ihr Auto auch längere Strecken übersteht. Und bei den Spritpreisen hier kann man auch gerne mal 400 km für einen Burger fahren. ;-)
Ich bin jetzt seit genau vier Monaten und einem Tag in Kanada und ich denke es ist an der Zeit, mal ein paar der kulturellen Eindrücke in Worte zu fassen, die ich hier bisher gesammelt habe. Daher werde ich euch heute mal erzählen, wie ich "den Kanadier" bisher kennen gelernt habe. Das einzige Problem: Man muss ihn erstmal finden. Wenn man bedenkt, dass fast 50 % der Einwohner Vancouvers ihre Wurzeln in anderen Ländern dieser Welt haben, ist das kein Wunder. Das erklärt dann auch den Dialog zwischen meiner kanadischen Kollegin und einer Kundin: "Woher kommen Sie?", wird meine kanadische Kollegin gefragt. "Aus Kanada!". "Ach, Sie sind Kanadierin?".
Geduld
Kanadier haben wirklich eine Engelsgeduld. Manchmal kann ich es überhaupt nicht fassen, wenn ich die langen Schlangen an der Kasse unseres Grocery Stores sehe und man in den seltensten Fällen irgendein Gemecker hört. Oder auch die Schlange an der Bushaltestelle des UBC-Busses (Bus zur University of British Columbia) mit Wartezeiten von ca. 30 Minuten. Und obwohl dort nirgendwo ein Schild steht: Die Kanadier stehen brav in 2er-Reihen und warten und warten und warten...und das jeden Morgen...wirklich faszinierend. Sowieso scheint es eine der liebsten Angewohnheiten hier zu sein, sich in einer Schlange anzustellen. Warum die Kanadier sich jedoch meist die längeste Schlange zum Warten aussuchen, habe ich bis heute allerdings nicht verstanden...
Gutgläubigkeit
Ich habe es schon öfter festgestellt, dass Kanadier sehr gutgläubig sind. Man sagt ihnen: "Nein, das darfst du nicht machen." und dann machen sie es auch einfach nicht. Zwei Beispiele: Als Markus und ich im Dezember beim Hockey-Spiel der Vancouver Canucks waren, haben wir am Tag vorher gefragt, ob man Getränke mit reinnehmen darf (blöde Frage eigentlich). Die Antwort war natürlich nein und deswegen haben wir darauf verzichtet, ein Sixpack Bier mitzunehmen, weil wir dachen, dass die Taschen bestimmt kontrolliert würden. Am nächsten Abend haben wir dann festgestellt, dass es keine Kontrollen gab...vielleicht auch nur ein Zufall...? Ich weiß es nicht. Das andere Beispiel stammt von gestern Abend. Ich war auf einer französischen Party in einer Lounge auf Granville Island. 12 $ Eintritt und als Zeichen, dass man bezahlt hatte, hat man einen schwarzen Stern mit nem Edding auf die Hand gemalt bekommen. Wir Europäer haben uns natürlich auf gut Deutsch gesagt "in den Arsch gebissen", dass wir keinen schwarzen Stift dabei hatten und wir werden jetzt sicher nicht mehr ohne aus dem Haus gehen... ;-) Ich glaube, so etwas funktioniert wirklich nur hier. Aber da fragt man sich wirklich, ob die Kanadier zu lieb oder die Europäer zu dreist sind...
Humor
Ja, das ist wirklich eine Sache für sich. Der europäische Humor ist - würde ich sagen - von einer ordentlichen Portion Ironie und einer Spur Sarkasmus geprägt (allen voran sicher die Briten). ;-) Beides ist hier aber völlig unbekannt. Wenn Kanadier einen Witz machen, dann wird sofort (meist im gleichen Atemzug) "I'm just kidding", zu deutsch: "Ich mache nur Spaß." angefügt, um sicherzugehen, dass der Witz nicht falsch verstanden wird und man niemanden verletzt. Sehr löblich eigentlich. Es ist also kein Wunder, dass man manchmal entsetzte Blicke erntet. Ein gutes Beispiel: Ich saß letztens mit Claudia, einer deutschen Arbeitskollegin, im Pausenraum und sie meinte: "So schlecht kommen die Obdachlosen hier gar nicht über die Runden, sie halten sich mit dem Betteln und der Flaschenrückgabe ganz gut über Wasser." Ich meinte dann: "Ja, und Miete müssen sie auch nicht zahlen." Wir haben uns schlappgelacht und uns beiden war natürlich klar, dass das ein Witz ist und keineswegs Ernst gemeint. Es saßen noch zwei kanadische Kollegen mit im Raum und dann hab ich nur schnell übersetzt, worüber wir gelacht haben. Das einzige, was wir geerntet haben, waren halb verwirrte und entsetzte Blicke. Ich hab dann nur entschuldigend hinzugefügt, dass das die europäische Art von Humor ist...Oh man, da muss man echt aufpassen, sich hier nicht ins Fettnäpfchen zu setzen...
Offenheit
Ich habe die Kanadier als ein sehr weltoffenes Volk kennen gelernt, eigentlich kein Wunder, da Kanada - wie schon gesagt - wirklich "multikulti" ist. Sie sind sehr neugierig und fragen viel, wie es bei uns zu Hause ist. Sehr angenehm. Das erklärt vielleicht auch, weshalb die Kanadier nicht wirklich gut auf ihren großen Nachbarn, die USA, zu sprechen sind und nicht viel Gutes über sie verlieren. Ich denke es ist genau dieser Punkt: die Offenheit gegenüber der Welt, an der es manchen US-Amerikanern ja bekanntlich mangelt.
Gemütlich bis bequem...
Auch diesen Punkt möchte ich nicht verschweigen. Kandier sind doch sehr, sehr, sehr gemütlich, um nicht bequem zu sagen. Ich denke, das hier ist der Punkt, wo man gerade als Deutscher in manch einer Situation ein "kulturellen Konflikt" erleidet. Wo es einem als Deutschem nicht schnell genug gehen kann, muss man sich hier doch in Geduld üben und wo man in Deutschland denkt, dass etwas schon klappt und man sich "halbwegs" drauf verlassen kann, ist es hier doch anders. Und man fällt hier mit der deutschen Arbeitsmoral doch wirklich auf. "Saskia, wenn man dir etwas sagt, dann weiß man auch, dass du das dann wirklich machst." Oder: "Saskia, du arbeitest immer so hart und bist so fleißig." Ich dachte nur: "Hmm...ich arbeite nicht hart, ich arbeite." Ich habe manchmal das Gefühl, dass es hier niemanden wirklich interessiert, wenn man zu spät kommt oder sich 50 % der Zeit krankmeldet (ja, so einen Fall gibt es hier auch). Es wird einfach akzeptiert. Auch wenn die Deutschen es sicher manchmal übertreiben mit ihrer Korrektheit, ich bevorzuge es in dieser Hinsicht doch, wie es bei uns zugeht...Obwohl ich auch versuche, mir eine Scheibe abzuschneiden von der Gelassenheit, die die Kanadier an den Tag legen...das kann nicht schaden...im richtigen Zusammenhang!
Selbsteinschätzung
Die Kanadier halten sich allen Ernstes für unfreundlich und denken, dass sie gut darin sind, über Dinge zu meckern. Da denke ich nur, dass ein Kanadier in dieser Hinsicht in Deutschland einen Kulturschock erleiden würde, weil er dann wüsste, was Meckern und unfreundlich sein wirklich bedeuten kann (wobei ich natürlich nicht sagen möchte, dass wir nur meckern und unfreundlich sind, aber...naja, ihr wisst ja selbst). Ich habe in Zusammenhang mit diesem Thema schon manchmal das Gefühl, dass die Deutschen in einem Schlaraffenland leben, das sie nicht wahrnehmen. Das Leben hier ist von viel mehr Unsicherheit geprägt und die wenigsten beschweren sich wirklich...zumindest habe ich das bis jetzt nicht feststellen können. Aber ich denke, dass sich kein Deutscher über hohe Lebensmittelpreise beschwerden muss...wirklich nicht!
So, bevor es hier zu "politisch" wird, werde ich diesen Post jetzt mal beenden. Ich hoffe, ich konnte euch den Kanadier, wie ich ihn kennen gelernt habe, ein wenig näher bringen... :-)
Einer der Gründe, weshalb ich mich eigentlich für Work & Travel anstatt eines Auslandssemesters entschieden habe, war, möglichst wenig Kontakt zu Deutschen und viel Kontakt zu Kanadiern zu haben. Es ist allerdings nach wie vor so, dass ich meine Freizeit zum großen Teil mit Deutschen verbringe. Die einzige Ausnahme bildet Myriam. Mit ihr und ihren französischen Freunden mache ich des Öfteren etwas. Mir fällt dabei allerdings auf, dass meine sechs Jahre Französisch aus der Schule leider in der Versenkung verschwunden sind. Nur gut, dass es um mein Englisch etwas besser gestellt ist. Es stört mich allerdings nicht, dass es doch noch so 'europäisch' um mich herum aussieht. Ich habe hier einfach sehr viele unheimlich nette Leute kennen gelernt und da spielt es für mich keine Rolle, woher sie kommen. Die kulturellen Einblicke bekomme ich bei der Arbeit, wo ich viele kanadische und internationale Kollegen habe, von denen ich mittlerweile viele interessante Sachen erfahren habe. Alles andere lasse ich weiterhin einfach auf mich zukommen. Über jede deutsch-kanadische Freundschaft freue ich mich und alles andere wird die Zukunft zeigen. Meine Zeit hier ist so oder so eine sehr interessante Erfahrung, die mir doch eine Menge neuer Einblicke und Sichtweisen eröffnet.
Trotz der Tatsache, dass ich mehr Deutsch spreche als mir eigentlich lieb ist, träume ich in letzter Zeit manchmal auf Englisch - eine Erfahrung, die ich immer mal machen wollte. Allerdings hängt es sehr davon ab, was ich abends mache. Spreche ich Deutsch, träume ich Deutsch, spreche ich Englisch oder schau fern, ist's immer öfter Englisch...Etwas, was ich wirklich sehr genieße... :-)
Vor ein paar Wochen ist endlich das passiert, worauf ich ewig gewartet habe: Meine erste Begegnung mit...nein, keinem Alien...aber einer "Very Important Person". Plötzlich ging bei uns im Laden das Geflüster los und ich - neugierig wie immer - bin gleich zu meiner Kollegin, um herauszufinden, was los ist. Sie meinte: "Kennst du Tori Spelling?" Ich dachte: "Klar, ich bin doch quasi mit 'Beverly Hills 90210' groß geworden." "Sieht du den Mann im Parker, das ist ihr Mann...." So weit, so gut. In Kanada ein bekannter Schauspieler, ich hab allerdings vorher weder etwas von ihm gehört noch gesehen. Ein paar Minuten später wurde ich allerdings gebeten, ihm dabei zu helfen, die ganzen Einkäufe in deren Hotelzimmer zu bringen. Und ab da war es um mich geschehen. Vor Aufregung bin ich ihm natürlich erstmal fast mit dem Einkaufswagen in die Hacken gefahren...aber nur fast! Ich hab die ganze Zeit natürlich versucht, so normal wie möglich zu sein, und hab - wie ich es bei allen anderen Kunden auch mache - gefragt, was er hier in Vancouver macht, Arbeiten oder Urlaub. Er meinte nur: "Nee, meine Frau dreht hier gerade für Smallville." Und ich dachte wiederum: "Jetzt sag das nicht auch noch so..." Dann durfte ich tatsächlich mit ins Apartment. Ich hatte so gehofft, dass ich 'Sie' auch zu Gesicht bekomme, aber dem war leider nicht so. Allerdings saß der kleine Sohn gerade mit den Nanny's im Esszimmer. Und dann stand ich quasi bei 'Spelling's' in der Küche und hab mit dem Mann zusammen die beiden Einkaufswagen ausgeräumt. Das einzig passende Wort hierfür ist 'surreal'. Obwohl ich mir auch bewusst bin, dass ich zu der Kategorie Menschen gehöre, die sich unglaublich leicht von solchen Sachen begeistern lassen... ;-)
Auch wenn es mittlerweile mehr als drei Wochen her ist, möchte ich noch ein paar Worte über mein erstes Silvester außerhalb Deutschlands verlieren. Schon ein paar Tage vorher ist mir aufgefallen, dass Silvester hier (wobei ich natürlich nur für Vancouver sprechen kann) nicht die Bedeutung zu haben scheint wie in Deutschland. Einige meiner kanadischen Kollegen haben überhaupt nicht gefeiert, wobei ich sagen muss, dass ich auch nicht der größte Fan dieses Festes bin. Es war auch das erste Mal in meinem Leben, dass ich sowohl an Silvester als auch an Neujahr ganz normal gearbeitet habe. Wir haben uns entschieden, an dem Abend zunächst etwas Gemütliches zu machen und sind mit einigen Deutschen indisch Essen gegangen, um gegen Mitternacht weiter zur Granville zu gehen. Die Granville ist die "Partymeile" in Downtown Vancouver und das Schild "Welcome to the Granville Entertainment District" ließ doch einiges versprechen - dachten wir wenigstens!

Und obwohl es hier eigentlich nicht erlaubt ist, in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken, hat uns das nicht davon abgehalten, doch den einen oder anderen "Drink" unter der Jacke zu verstecken. Und damit waren wir sicher nicht die einzigen. Man möchte ja schließlich auch mit etwas anstoßen! Wie wir schon fast geahnt hatten, gab es um Mitternacht kein Feuerwerk und um fünf nach Zwölf wurden wurden die Leute mehr oder weniger von Securities von der Straße gekehrt. Wir haben dann den Rest der Nacht im Malone's, unserem mittlerweile fast Stamm-Pub, verbracht, wo ich auch noch meine französische "Lieblings-mittlerweile-leider-Ex-Kollegin" Myriam und ihre Leute getroffen habe. Unterm Strich war es wirklich ein tolles Silvester. Ich lag um fünf im Bett und musste um acht Uhr aufstehen und zur Arbeit...Puh...! Das war ein harter Tag... ;-)